Fahrten

Studienfahrt der Seminarfächer „Europa“ und „Psychologie“ nach Brüssel 2025

Die Seminarfächer "Europa" und "Psychologie" berichten von ihrer Fahrt nach Brüssel.

Sonntag, 31.August 2025: Anreise

Am Sonntagmorgen traf sich unsere Gruppe pünktlich um 9:45 Uhr am Bahnhof in Wildeshausen. Von dort aus ging es um 10 Uhr mit dem Zug in Richtung Osnabrück. Schon während der Fahrt zeigte sich, dass eine lange Zugreise viele Möglichkeiten bietet. Manche nutzten die Zeit zum Schlafen, andere packten ihre Snacks aus und wieder andere überraschten mit erstaunlichem Lerneifer mitten im Abteil.

Nach einem kurzen Umstieg und einer Mittagspause ging es weiter nach Köln, wo wir einen Zwischenstopp einlegten, bevor wir den Anschlusszug nach Brüssel bestiegen.

Gegen 17 Uhr erreichten wir schließlich unser Ziel. Vom Bahnhof aus machten wir uns gemeinsam auf den Weg zum Hotel MEININGER City Center, wo wir an der Rezeption freundlich begrüßt wurden. Auf dem Weg vom Bahnhof zum Hotel fielen uns Müllsäcke am Straßenrand auf, die ein eher schlechten ersten Eindruck von Brüssel vermittelten. Doch nur wenige Straßen weiter bot sich ein ganz anderes Bild. Am Grand Place erwartete uns eine prachtvolle Kulisse mit beeindruckender Architektur, die uns alle sofort in ihren Bann zog.

Der Abend stand anschließend zur freien Verfügung. Einige erkundeten die Stadt weiter, während andere im Hotel blieben, zusammen kochten oder bei Gesellschaftsspielen den Tag entspannt ausklingen ließen.

So endete der erste Tag unserer Fahrt mit einer guten Mischung aus Abenteuer, Entspannung und jeder Menge Vorfreude auf das, was uns in Brüssel noch erwarten würde.

Montag, 01. September 2025: Niedersächsische Landesvertretung und Haus der Europäischen Geschichte

Am Montagmorgen stand als Erstes das Frühstück an. Wir konnten uns in Form eines Buffets bedienen und machten uns gegen 8:45 Uhr auf den Weg in die Niedersächsische Landesvertretung. Dort wurden wir in einen Vortragsraum geführt, in dem Tische mit Getränken für uns vorbereitet waren. Wir lernten die Juristin Frau Maier kennen, die uns einen Einblick in ihre Arbeit gab. Aus ihrem Vortrag konnten wir individuell vielfältige Eindrücke sammeln.

Während des Vortrags durften wir verschiedene Fragen stellen, für die Frau Maier sich genügend Zeit nahm. Zum Ende des Vortrags konnte ein Teil der Gruppe ein kurzes Interview mit ihr führen. Durch den Empfang und die Gespräche wirkte der Aufenthalt allgemein gemeinschaftlich und persönlich.

Danach hatten wir ein wenig Freizeit und um 13 Uhr trafen wir uns am Haus der Europäischen Geschichte. Dort wurden wir in drei Gruppen eingeteilt und durch die Ausstellung geführt. Anhand zahlreicher historischer Exponate erhielten wir spannende Einblicke in die Geschichte Europas von den Anfängen bis in die Gegenwart.

Die Führungen dauerten bis etwa 15 Uhr und boten uns einen umfassenden Überblick über die wechselvolle Entwicklung des Kontinents.

Im Anschluss stand uns freie Zeit zur Verfügung. In kleinen Gruppen konnten wir die Stadt selbstständig erkunden. Viele nutzten die Gelegenheit, gemeinsam essen zu gehen und dabei sogar ihre Französischkenntnisse beim Bestellen fast erfolgreich unter Beweis zu stellen. So endete unser zweiter Tag mit einer gelungenen Mischung aus Kultur, Geschichte und eigenen Stadterfahrungen.

Dienstag, 02. September 2025: EU-Parlament und Stadtführung

Am Dienstagvormittag unserer Studienfahrt stand ein besonderes Highlight auf dem Programm: Von 10 bis 11.30 Uhr besuchten wir das Europäische Parlament in Brüssel. Dort trafen wir den Europaabgeordneten Jens Giesecke (MdP), der uns in einem kleinen Saal von seiner Arbeit berichtete. Er sprach über seine Aufgaben, die Abläufe im Parlament und die vielen Kontakte, die er in Brüssel pflegt.

Im Anschluss führte uns sein wissenschaftlicher Mitarbeiter in den Plenarsaal, wo wir sogar den Sitzplatz von Jens Giesecke gezeigt bekamen. Außerdem durften wir dem Mitarbeiter Fragen stellen, die er sehr ausführlich beantwortete. Dieser direkte Einblick in die europäische Politik war für uns alle spannend und bereichernd.

Nach dem Treffen ging es zurück vor das Parlament, wo wir am Brunnen eine kurze Pause machten. Danach hatten wir 1,5 Stunden Mittagspause, in der viele von uns die Gelegenheit nutzten, im Parlamentsviertel einen Imbiss zu essen oder die Umgebung ein wenig auf eigene Faust zu erkunden.

Am Nachmittag starteten wir mit unserer selbst geplanten Stadtführung. Im Vorfeld hatten wir einen Ablauf erstellt. Unser Rundgang begann beim EU-Parlament und führte uns unter anderem zum Petit Sablon, zum Schloss, zum Grote Markt, zu Janneke Pis, zu den Königlichen Galerien, zum Mont des Arts, zur Rue de Boucher und zur Kathedrale St. Michael und St. Gudula. Allerdings blieb es nicht bei diesem Plan: Nachdem wir am Grote Markt angekommen waren, begann es stark zu regnen, sodass wir die Stadtführung an diesem Tag abbrechen mussten. Die restlichen Stationen verteilten wir deshalb auf die folgenden beiden Tage. Rückblickend stellte sich das sogar als angenehm heraus, da wir die Eindrücke so in kleineren Portionen aufnehmen konnten, anstatt alles an einem Nachmittag durchzuziehen.

Am Abend ließen wir den Tag in einer größeren Runde gemütlich ausklingen: Gemeinsam kochten wir Nudeln mit Tomatensauce. Jeder packte mit an, sodass es nicht nur ein leckeres Essen, sondern auch eine schöne gemeinschaftliche Kocherfahrung wurde.

Insgesamt war dieser Dienstag abwechslungsreich, spannend und von echten Highlights geprägt – von Politik hautnah über Brüssels Sehenswürdigkeiten bis hin zum gemeinsamen Kochen.

Mittwoch, 03. September 2025: Besuch des Headquarters der NATO

Am Mittwoch begannen wir unsere Reise um 8.30 Uhr zur Nato mit einem vollen Magen und einer rasanten Busfahrt. Wir betraten das Gelände des NATO- Headquarters durch ein streng bewachtes Tor. Alle Personen, die das NATO-Gelände betreten wollen, müssen durch die strenge Sicherheitskontrolle. Personalausweise, Handys sowie alle Getränkeflaschen wurden von uns bereitgehalten. Wir mussten unter Aufsicht einen Schluck aus der Flasche nehmen und sämtliche elektronischen Geräte abgeben – auch unsere Handys. Bloß Frau Rasche, der frisch ernannten Gruppenanführerin, wurde das Mitführen des geliebten mobilen Endgeräts gewährt. Nachdem wir uns erfolgreich identifiziert hatten, wurden wir mit Besucherausweisen ausgestattet, welche wir zu unserem Bedauern nicht behalten durften. Im NATO-Headquarter wurden wir von zwei Mitarbeitern des Referats für Presse und Öffentlichkeitsarbeit begrüßt. Unsere Gästeführer präsentierten uns ein Holzmodell des gesamten Geländes, bevor uns durch ein Fenster ein Einblick in die berühmte Agora, die sich durch das gesamte Gebäude zieht, gewährt wurde. Schließlich kamen wir an unserer Destination an: ein innenliegender Konferenzraum, der extra für uns bereitgestellt wurde.

Wir nahmen an den mit Mikrofonen ausgestatteten Sitzen Platz. Jan, Beamter des Auswärtigen Amtes und zuständig für den Bereich „Balkan“ nahm sich 90 Minuten Zeit, alle unsere Fragen zu beantworten. Jede Frage war erlaubt und erwünscht. Diese erstreckten sich von Diskussionen zu aktuellen Kriegen und zu der politischen Lage in Russland und Israel über Jans Arbeit und Gehalt bis zur Nutzung von NATO-Geheiminformationen. Wir erfuhren besonders viel darüber, wie der Arbeitsalltag eines deutschen Beamten beim Auswärtigen Amt bei der NATO aussieht und welche aktuellen Situationen tatsächlich bearbeitet werden. Wir erfuhren, dass die „Währung“ bei der NATO Informationen sind und Informationsbeschaffung ein wesentlicher Teil der Arbeit ausmacht. Nach 90 Minuten musste Jan sich von uns verabschieden, da er ein wichtiges „Café-Date“ mit seiner Kollegin aus Norwegen hatte. Die informellen Treffen im hauseigenen Café zum Austausch von Informationen sind ein wesentlicher Teil der Arbeit.

Als sich unser Besuch im Headquarter langsam dem Ende neigte, bekamen wir noch die Gelegenheit, ein Fotoshooting vor einer Fotowand zu veranstalten. Als einzige Person mit einem Handy musste Frau Rasche herhalten und alle Fotos machen.

Nach dem Verlassen des Geländes und dem Erhalt unserer elektronischen Geräte, machten wir uns auf den Weg, um vier weitere Stationen unserer Stadttour zu erleben. Unsere Tour wurde eingeleitet mit einem ergreifenden Vortrag über den Justizpalast, der jedoch aktuell renoviert wird und von einem Baugerüst umgeben ist. Anschließend erfuhren wir vom Heiligen Boden, auch Poelaertplain genannt. Wir fuhren mit dem Fahrstuhl „Ascenseur des Marolles“ in die Unterstadt und kamen zu unserer letzten Station, dem Bruegelhuis.

Dort hatten wir sogar die einmalige Gelegenheit, einen Blick hineinzuwerfen, obwohl das Bruigelhuis gerade geschlossen ist, da Reparaturarbeiten stattfinden.

Der Rest des Tages wurde uns zur freien Verfügung gestellt. Besonders beliebt war der Nachmittag für Besuche diverser Geschäfte, Restaurants und Museen, bis wir uns am Abend wieder im Hotel Meininger einfanden.

Donnerstag, 04. September 2025: Ausflug nach Gent

Am Donnerstag trafen wir uns gegen 10 Uhr am Bahnhof Bruxelles Centraal, von wo aus es anschließend mit einer einstündigen Fahrt nach Gent ging.

Dort angekommen teilte sich die große Gruppe in zwei kleiner Gruppen auf: Die einen machten sich mit Frau Rasche direkt auf den Weg in die Innenstadt, während die anderen mit Frau Krönke noch etwas weiter zu einem psychologischen Museum (Museum Dr. Guislain) fuhren. Das Museum ist eine ehemalige Psychiatrie. Direkt nach unserer Ankunft dort waren wir beeindruckt von dem schönen Innenhof und der Umgebung. Das von außen unscheinbare Museum stellte sich als sehr informativ heraus und zeigte den Alltag der damaligen Patienten, wie auch die Methoden, die bei den Patienten angewendet wurden auf eine sehr anschauliche Weise. Mit vielen Eindrücken verließen wir die Ausstellung; ein kleines Café versorgte uns mit Kaffee und Suppe.

Währenddessen erkundeten die anderen bereits die Innenstadt auf dem Weg zum Ufer der Leie, welche durch Gent fließt. Dort unternahmen wir eine schöne Bootstour, die besonders dadurch einprägsam wurde, dass sich plötzliche Regenschauer mit warmem Sonnenschein abwechselten. Die regenbogenfarbenen Regenschirme, welche dadurch ab und zu aufgeklappt werden mussten, sorgten für eine gute Stimmung

Danach hatten wir ca. 2 Stunden frei zur Verfügung, um individuell die eindrucksvolle Altstadt und kleine Läden zu erkunden. Manche von uns schauten sich in dieser Zeit noch die bekannte Graffiti-Street an.

Um 17 Uhr machten wir uns auf den Rückweg. Zurück in Brüssel hatten wir Zeit, etwas zu essen und uns auszuruhen, bevor wir uns dann um 21 Uhr wieder zum letzten Teil der Stadtführung trafen.

So bekamen wir noch das Wahrzeichen Brüssels - den Manneken Piss - und die Brüsseler Börse zu sehen, welche mit einem lustigen Kahoot-Quiz inmitten der nächtlichen Lichter der Innenstadt auf jeden Fall in Erinnerung bleiben werden.

Von der Börse aus gingen wir zu unserem nächsten Halt: einer kleinen, gemütlichen Irish Pub-Karaoke-Bar. Dort ließen wir den Abend entspannt ausklingen, während einige Mitschülerinnen und Mitschüler mit dem Mikrofon für Stimmung sorgten. Jan und Carlo performten „Payphone“ und ernteten tosenden Applaus, während Anna, Nike und Juliana mit „Gimme! Gimme! Gimme!“ das Publikum zum Kochen brachte. Auch Isabell und Nele sorgten mit „Unwritten“ für große Freude und lautes Mitsingen. Schließlich machten wir uns langsam auf den Rückweg zum Hotel, um für die Bahnfahrt am Tag darauf ausgeruht zu sein.

Freitag, 05. September 2025: Abreise

Und dann war es leider schon so weit – die Rückreise stand an.
Um 9:15 Uhr starteten wir vom Meininger Hotel, und um 10:20 Uhr fuhr unser Zug in Richtung Heimat ab. Nach zwei schnellen Stunden erreichten wir Köln, wo wir den beeindruckenden Kölner Dom bestaunten.

Wegen einer Zugverspätung verpassten wir leider einen Anschlusszug – was die Stimmung kurz etwas trübte. Doch wir ließen uns die gute Laune nicht verderben. Schließlich kamen wir um 18:00 Uhr in Wildeshausen an. Dort wurden wir liebevoll von Familie und Freunden in die Arme geschlossen – ein wunderschöner Abschluss unserer Seminarfach-Fahrt nach Brüssel!

Fahrt nach Krakau und zur Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau

„Darüber zu sprechen, ist unmöglich, darüber zu schweigen, verboten“ — Elie Wiesel

 

Die Schülerinnen und Schüler der AG „NS-Herrschaft und Holocaust“ waren vom 16.02-21.02.2025 in Krakau und an zwei Tagen auch in der Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau. An mehreren Samstagen haben wir uns in der Schule getroffen, um uns intensiv thematisch auf die Fahrt vorzubereiten. Aber auf das, was wir dort gesehen und erfahren haben, kann man nicht richtig vorbereitet sein.

Der Besuch der Gedenkstätte Auschwitz hinterlässt ein Gefühl, was man gar nicht richtig in Worte fassen kann. Die Verbrechen der Nationalsozialisten liegen nun schon 80 Jahre zurück, und dennoch ist das Leid und die Grausamkeit noch immer allgegenwärtig. Im ehemaligen Stammlager an den Bergen von Schuhen und Haaren vorbeizugehen, im Gestapo-Gebäude die Zellen zu sehen und in der Gaskammer zu stehen, in der unschuldige Menschen auf grausame Art und Weise ermordet wurden, macht einfach nur fassungslos und hinterlässt die Frage: Wie war so etwas wie Auschwitz überhaupt möglich? Wenn man in Auschwitz-Birkenau die Ausmaße und Dimensionen des Holocaust sieht, kann man nicht begreifen, dass Menschen anderen Menschen mit anderem Glauben oder Herkunft so etwas antun könnten. Diese beiden Tage in Auschwitz-Birkenau haben uns nachhaltig verändert. Das Zitat „Darüber zu sprechen, ist unmöglich, darüber zu schweigen, verboten“ fasst unsere Gedanken zu dieser Erfahrung sehr passend zusammen.

Im Laufe unserer Woche in Krakau ist uns bewusst geworden, dass die Herrschaft der Nationalsozialisten in Polen dramatische Folgen nicht nur für die Juden, sondern auch für die Polen hatte.

Die Führung durch das jüdische Viertel Kazimierz, in dem vor der NS-Besetzung etwa 70.000 Jüdinnen und Juden lebten, und das Krakauer Ghetto am darauffolgenden Tag hat einen erheblichen Beitrag zu dieser Erkenntnis beigetragen. Wir haben sowohl die originalen Drehorte von „Schindlers Liste“ als auch die Mauern des ehemaligen Ghettos besichtigt. Die Einzelschicksale, welche unser Tourguide Tomasz so spannend erzählt hat, gaben uns einen Einblick in das von Nationalsozialisten eingenommene Krakau. Darauf folgte ein Besuch im jüdischen Museum Galizien, wo wir uns eine Bilder- und Fotoausstellung zum jüdischen Leben in Polen angeschaut haben. Besonders beeindruckend und traurig waren dabei die Vergleichsbilder, welche den Zustand und Verfall der jüdischen Kultur vor und Jahre nach dem Nationalsozialismus zeigten. Wir ließen den Tag in einem jüdischen Restaurant ausklingen, wo wir als Gruppe gemeinsam die gesammelten Eindrücke bei traditionell koscherer polnisch-jüdischer Küche reflektierten.

Der letzte Tag in Krakau brach an, und als finalen Programmpunkt machten wir uns auf den Weg zur ehemaligen Fabrik von Oskar Schindler. Dort haben wir bei einer Führung viele Informationen über Krakau als Stadt und über das Schicksal während des Krieges unter NS-Herrschaft erfahren. Die Sorgfalt und Liebe zum Detail, mit der diese Ausstellung konzipiert worden ist, war deutlich erkennbar. Originale aus der Zeit sowie realistische Nachbauten von Räumen gaben einem tatsächlich das Gefühl im Krakau der 1940er Jahre zu sein. Das ehemalige Büro von Oscar Schindler inklusive Originalschreibtisch war ebenfalls ein Highlight des Besuches.

Mit diesen letzten Eindrücken hatten wir ab Donnerstagnachmittag etwas Freizeit. Eine Gruppe hat sich noch die Remuh-Synogoge angeschaut. Diese Synagoge ist eine alte Synagoge, die auch heute noch als solche genutzt wird. Am Freitag hieß es dann auch schon wieder packen und zurück mit der Bahn Richtung Wildeshausen.

Diese Woche, geprägt von vielen emotionalen Momenten, hat uns alle nachhaltig geprägt und uns mal wieder vor Augen geführt, dass man unbedingt an einer aktiven Erinnerungskultur festhalten muss, damit solch ein Verbrechen an der Menschheit sich auf gar keinen Fall wiederholt.

Wir haben die Fahrt und die Vorbereitung auf einer Website festgehalten. Die Website ist noch in Arbeit und wird im Laufe der Zeit mit ausführlichen Berichten und Eindrücken erweitert. https://aufarbeitung-ns-herrschaft.onepage.me

Anne Weber, Stephanie Rasche

Studienfahrt der Seminarfächer „Europa“ und „Psychologie“ nach Brüssel 2023

Die letzte Fahrt unserer Schullaufbahn war angebrochen. Los ging es zu humaner Stunde am Sonntagmorgen um 9 Uhr und wir lernten zunächst unseren sympathischen Busfahrer Helmut kennen. Während der Fahrt bereiteten sich die Schüler:innen auf die Abenteuer in der belgischen Hauptstadt vor und schliefen erst einmal ausgiebig.

Um unseren ersten Eindruck von Brüssel am besten beschreiben zu können, haben wir Kommentare der Schüler:innen gesammelt. Betont wurde vor allem die Vielfalt, die Brüssel bietet: Seien es die verschiedenfarbigen Müllsäcke, welche das Straßenbild prägen oder die farbliche Fülle vom Gold und den Prunkbauten des Grand Place hin zu dem Grau des Viertels Moolenbeek. Insbesondere dieser aufregende Mix führte dazu, dass sich eine Vielzahl von uns direkt in die Stadt verliebten und Frau Krönke und Rasche demonstrativ ein Herz des Zutrauens formten.

Der zweite Tag der Seminarfachfahrt wurde vor allem von der dreistündigen Stadtführung geprägt. Unser Tourguide, eine echte Belgierin, konnte uns neben architektonischen Fakten und Hintergründen über die Stadt Brüssel sogar noch Berufstipps mitgeben: Wenn ihr also noch nicht wisst, was ihr werden wollt, das EU-Parlament braucht immer Übersetzer für slowenisch und maltesisch.

Am Atomium, einem der populärsten Wahrzeichen Belgiens, angekommen, machten sich die zuvor angekündigten 200 Regentage des Landes im Jahr bemerkbar. Es begann in Strömen zu regnen. Glücklicherweise verzog sich das schlechte Wetter aber pünktlich zum zweiten Teil der Stadttour, der zu Fuß stattfand und bei der wir auch historische Fakten lernten wir. Zum Beispiel, dass Brüssel 979 entstand und Belgien 1830 die Unabhängigkeit erlangte. Des Weiteren bedeutet der Name Brüssel so viel wie “Siedlung am Sumpf”. Als gebührendes Finale der Tour wurde “Manneken Pis”, eines der Wahrzeichen Brüssels, gewählt. Das Manneken Pis ist den Belgiern so wichtig, dass der französische König Ludwig XV sich sogar persönlich entschuldigte, als seine Soldaten versuchten die Brunnenfigur zu stehlen. Nach dem misslungenen Kidnapping-Versuch mussten die Soldaten jedes Mal, wenn sie am Manneken Pis vorbeikamen, salutieren und es wurde sogar zum Ritter geschlagen.

Nach dem Stadtrundgang machten wir uns für die Pub-Crawl-Tour fertig. Wer wollte, konnte nämlich am Abend gemeinsam mit den Lehrerinnen das Brüsseler Nachtleben erforschen und in gemütlichen Bars den Rest des Abends gemeinsam genießen.

Am dritten Tag unserer Seminarfahrt ging es zunächst zum „House of European History“. Um überhaupt ins Museum zu gelangen, mussten wir als Erstes eine Sicherheitskontrolle durchlaufen. Danach ging es zuerst in die unterste Etage, in der wechselnde Ausstellungen gezeigt werden. Aktuell wird dort eine Ausstellung zur „Geschichte des Mülls“ in Europa sehr interessant dargestellt. Unter anderem wurde z. B. auch versucht zu definieren, was Müll überhaupt ist:
„Rubbish is something that we really can’t use at all anymore. It is used once and then it's finished, it can be burnt, it can be destroyed.“ (Definition von Benoit Vandevelde)
Die weiteren Etagen zeigen die Geschichte Europas vom Mittelalter bis zur heutigen Zeit. Besonders interessant fanden wir neben politischen Themen auch die Darstellung des gesellschaftlichen Alltagslebens mit vielen interaktiven Möglichkeiten. Auch die Ausstellungen zu den beiden Weltkriegen haben uns sehr beeindruckt, aber auch mitgenommen:
„Das Bild des Krieges war nüchtern, grau und rot seine Farben, das Schlachtfeld eine Wüste des Irrsinns.“ (Ernst Jünger, 1920)
Immer wieder läuft einem ein Schauer über den Rücken; die ganzen Ausstellungsstücke zu sehen, wie z. B. die alten Gasmasken oder Waffen. Flugblätter, Judensterne, Kriegsgefangenpost und viele Bilder von Arbeitern, Frauen und Kindern usw. schicken einen gedanklich zurück in die Vergangenheit. Eine Etage höher rückten wir zeitlich immer näher an das 21. Jahrhundert heran. Der erste Fernseher, das erste Auto, Kinderwagen und Friseurstühle wurden dort ausgestellt. Ein weiteres wichtiges Ereignis, das dargestellt wird, ist auch der Mauerfall in Berlin 1989. In der letzten Etage wurde die Zukunft dargestellt. Mithilfe von Tablets konnte man anhand vieler Collagen rückblickend die Entwicklungen und Fortschritte der verschiedenen Länder aus Europa betrachten.
Es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht, die Etagen zu durchlaufen und wie in einer kleinen Zeitreise Europa zu durchleben und zu entdecken. Gemeinsam können wir festhalten, dass uns das Museum positiv überrascht hat und wir es definitiv weiterempfehlen können.

Nach den Pommes bei Maison Antoine, Angela Merkels favorisierter Frittenbude, ging es für uns weiter zum Europäischen Parlament. Meterhohe verspiegelte Glasfassaden und wir mittendrin! Wir wurden einer eingehenden Sicherheitskontrolle unterzogen und durften anschließend in den 5. Stock fahren, wo uns ein freundlicher Herr vom parlamentarischen Dienst empfing und uns engagiert für die anstehende Europawahl begeisterte.

Zuerst gab er uns ein paar interessante Informationen über das Parlament: Das EU-Parlament feierte dieses Jahr seinen 65. Geburtstag und die Vielfalt innerhalb Europas. Es bildet, zusammen mit der Europäischen Kommission und dem Europäischen Rat, den dritten Bestandteil des europäischen Dreiecks.
Unser Lieblingszitat während unserer Tour war: „Europapolitik bedeutet nicht nur, seinen Horizont zu erweitern und Brücken zu bauen, sondern Regeln mit den Bekloppten jenseits der Grenze zu machen“. Anschließend durften wir selbst im Plenarsaal sitzen und einer spannenden Diskussion über Agrarwirtschaft lauschen. Mit unserem abschließenden Bild vor den Flaggen der 27 Mitgliedsstaaten und unserer spontan eingeübten Choreografie wurden wir in den Nachmittag entlassen.

Am Mittwoch unternahmen wir einen Tagesausflug nach Gent, einer charmanten Universitätsstadt nahe Brüssel. Die Stadt ist bekannt für ihre malerischen Kanäle und ihr mittelalterliches Zentrum.

Zunächst machten wir alle gemeinsam eine Bootsrundfahrt, um von den Kanälen Attraktionen wie Burg Gravensteen, ein Kloster und viele historische Gebäude zu betrachten. Dabei grüßten uns viele freundliche Menschen von den Brücken und Ufern aus.

Nach der Bootstour hatten wir Freizeit in Gruppen. Einige von uns genossen lokales Essen, erkundeten die faszinierenden Graffitis der Stadt, testeten belgische Waffeln oder gingen auf Einkaufstour. Gent entpuppte sich als echtes Shopping- Paradies und wir fanden einige Geschäfte unseres Geschmacks. Nach einigen Stunden in Gent traten wir wieder die Rückreise nach Brüssel an, voller Eindrücke und Erinnerungen an einen gelungenen Tagesausflug.

Am vierten und letzten ganzen Tag unserer Reise, dem Donnerstag, hatten wir keine festen Programmpunkte mehr. Alle konnten diesen Tag nach eigenen Vorlieben gestalten und u. a. auch dafür nutzen, die für die Studienfahrt gewählten Projektthemen zu bearbeiten. Einige von uns besuchten das Museum of Illusion, andere das Comic Museum und wieder andere genossen eine süße Zeit im Schokoladenmuseum. Einige verbrachten den Tag mit ausgiebigem Shoppen in der Stadt, während andere sich ein letztes Mal in einem gemütlichen Restaurant verwöhnten ließen. Am Abend kamen wir alle in einer Karaoke-Bar zusammen, um unsere Seminarfachfahrt gebührend ausklingen zu lassen. Es war ein wundervoller Abschluss unserer Reise.

Am letzten Tag unserer Seminarfachfahrt stand die Abreise auf dem Programm. Aufgrund von viel Verkehr, Staus und geplanten Pausen zog sich die Rückreise auf 7 Stunden und 45 Minuten Fahrtzeit hin.

Helmut, unser Busfahrer, war von uns und unserem vorbildlichen Verhalten begeistert. Er äußerte sich lobend: "Ihr wart ein super Team. Was die Sauberkeit betrifft, bekommt ihr eine super Eins. Solche Gruppen möchte ich öfter betreuen."

Mit diesen Worten und vielen unvergesslichen Erinnerungen an unsere Seminarfachfahrt nach Brüssel endete unsere Reise.

Hier gehts zu unserem persönlichen Reiseführer für Brüssel.

Paula Debbeler, Jette Schachtschneider, Finn Drews, Ole Kropp, Anna Kropp, Elin Fink, Miriram Worch, Hilda Hakemann, Mariella Hake, Emma Beckmann, Lina Straßburg, Lilli Abel und Johanna König