Erasmus+ persönlich

Auf dieser Seite berichten Schüler*innen von ihren Auslandsaufenthalten im Rahmen unserer Erasmus+-Projekte.

Erasmus+-Austausch Italien 2022

Tristan, Marco und Kira

Von Anfang März bis Mitte Juli besuchte der 18-jährige Schüler Marco Piva das Gymnasium Wildeshausen. Ermöglicht wurde dieses als Austausch angelegte Projekt durch das Erasmus+-Programm unserer Schule. Im neuen Schuljahr werden eine Schülerin und ein Schüler des Jahrgangs 11 für drei Monate an das „Istituto d’Istruzione Superiore Mosè Bianchi“ in gehen, einem Gymnasium in Monza (Lombardei) mit sprachlichem Schwerpunkt. Die Sommerferien nutzen die beiden, um sich intensiv auf die italienische Sprache vorzubereiten. Unterstützung erhalten sie durch die italienische Kollegin Laura Spitale, die unsere Schule im Rahmen des Erasmus-Projektes bereits kennen gelernt hat.

Nach drei Monaten am Gymnasium Wildeshausen fasst Marco seine Erfahrungen folgendermaßen zusammen:

„Bevor ich nach Deutschland gefahren bin, hatte ich keine Ahnung, was mich an einer deutschen Schule erwarten würde und wie sie funktioniert. Ich habe allmählich mit großer und tiefer Freude herausgefunden, dass die deutsche Schule ganz anders als die italienische ist. Eine gastfreundliche, anregende und moderne Umwelt, gute und funktionierte Organisation sind nur einige Punkte und Unterschiede zwischen den zwei Systemen.
Ich habe auch bemerkt, dass das Gymnasium die Schüler mit allem versorgt, was sie brauchen, wie z. B. Bücher, Tablets, Karteikarten, Fahrkarten für den Bus, eine Bibliothek, wo man Bücher ausleihen kann, und eine preiswerte Mensa, wo man essen und die Mittagspause verbringen darf. Außerdem verfügen alle Klassen über alles, was notwendig ist, um einen Unterricht gut umzusetzen, das heißt ein Smartboard, einen Computer und einen freien WLAN-Anschluss für  die Schülerinnen und Schüler und die Lehrkräfte.
Ich kann aber nicht verschweigen, dass es am Anfang ein bisschen schwierig war, sich zu orientieren und sich z. B. an den Unterschied zwischen geraden und ungeraden Wochen zu gewöhnen. Aber dank der Hilfe meiner Mitschüler, die wirklich hilfsbereit und nett gewesen sind, habe ich das geschafft!
Da ich aus einem anderen Schulsystem komme, das ich persönlich schwerer als das deutsche finde, konnte ich mich an den Unterrichtrhythmus gut anpassen und die Pausen zwischen der Unterrichtszeit, die es an unserer Schule nicht gibt, sind natürlich sehr willkommen. Ganz anders ist auch die Weise, wie die Fächer unterrichtet werden, da mehr Wert auf praktische Fähigkeiten als auf spezifische Kenntnisse gelegt wird; das ist genau das Gegenteil von unserer Schule in Italien.

Mein erster Eindruck von dem alltäglichen Unterricht war unzweifelhaft eine sehr schöne Überraschung: Nirgendwo in Italien kann man im Unterricht so viel teilnehmen. Dank der aktiven Methode, die benutzt wird, werden im Unterricht viele Gespräche geführt. Das Beobachten, das Analysieren, das Zusammenarbeiten, das Besprechen von Unterrichtsthemen sind alles Elemente, die im italienischen Bildungssystem fehlen. Deswegen freue ich mich sehr darüber, dass ich dies erfahren durfte.
Eine Kritik, die ich an dem deutschen Schulsystem äußern kann, ist, dass man sich zu viel auf praktische Fähigkeiten konzentriert, was zu fehlenden Grundlagen in Bezug auf historisches, wissenschaftliches, geographisches und literarisches Überblickswissen führt.
Die meisten der Lehrer sind mitreißend und verständnisvoll gewesen und wenn ich irgendetwas brauchte, waren sie da, genauso wie meine Klassenkameraden, die mir vielmals die Aufgabe erklärten und mir geholfen haben. Hinsichtlich dieser Tatsache würde ich gerne hinzufügen, dass ich herausgefunden habe, dass das Stereotyp von den Deutschen als kalte, ernste und unaufgeschlossene Menschen falsch ist. Auch dass die Deutschen durchaus Humor haben, das haben meine Freunde und das Gildefest mir bewiesen.
Mein Aufenthalt in Wildeshausen und die Stadt selber waren zwar angenehm, aber ich finde
es schwer, irgendwohin mit dem Bus zu fahren, weil es wenige davon gibt und es nicht immer ganz deutlich ist, welchen Weg sie fahren. Aber trotzdem meine ich, dass eine Schule in einer ländlichen Umgebung ein guter Ort ist, eine neue Sprache zu erlernen, da man entlegen von den Ablenkungen der Stadt ist.

Wenn es die Möglichkeit gäbe, würde ich unverzüglich wieder hierher zurückfahren und wieder am Erasmus-Projekt teilnehmen, da dieses eine großartige Gelegenheit für persönliche Entwicklung ist.

Dank an euch alle für dieses wunderschöne und wunderbare Erlebnis!