Informationen zu unserem Projekt „Footprints“ (Auszüge aus dem Projektantrag):

Worum geht’s?

Die jüngsten Entwicklungen innerhalb der europäischen Union bzw. in Europa zeugen von großen politischen Verunsicherungen hinsichtlich des Brexits, der Arbeitsmigration und Immigration, des Nationalismus und der Xenophobie. Schüler, die noch wenig gereist sind und deren politisches Bewusstsein gerade erst gebildet wird, sind auf Berichterstattung aus den Medien bzw. auf innerfamiliäre Meinungen angewiesen, die häufig „gefärbt“ sind und für weitere Verunsicherung sorgen.

Persönliche Begegnungen, Wissen, Kooperation und das Ringen um Ergebnisse sind deshalb notwendige Voraussetzungen für ein tieferes Verständnis Europas, Demokratiebildung und das Engagement für die gemeinsamen Werte. Dieses Verständnis soll während der zweijährigen Projektphase angeregt werden, in der sich die Schüler/-innen auf „Spurensuche“ innerhalb Europas begeben. Sie sollen „zurückgehen“ in die Generationen ihrer Ur-/Großeltern und Eltern, ihre gegenwärtige Situation erkunden und „voranschreiten“ in die Zukunft, indem sie ihre Erwartungen, Träume und Befürchtungen formulieren und kreativ gestalten.

Wir wollen einen Beitrag zum Verständnis der eigenen und der europäischen kulturellen Identität leisten, um eine Haltung des gegenseitigen Verständnisses zu etablieren. Die Vermittlung der in den Lehrplänen übergeordneten Werte Toleranz und Inklusion soll durch ganz konkrete Aktivitäten geschehen, die - in einem Handwerkskasten zusammengestellt – Anleitungen für andere Lehrkräfte sowie für die Weiterarbeit bieten. 

 

Zentrale Ziele des Projekts

Das Projekt verfolgt das übergeordnete Ziel, Teenagern die Gelegenheit zu geben, sich durch thematisch orientierte Aktivitäten und in der persönlichen Begegnung mit Jugendlichen aus unterschiedlichsten europäischen Ländern individuelle, wissens- und erfahrungsgestützte Meinungen zu bilden, die gemeinsamen, demokratischen Werte Europa schätzen zu lernen und sich für diese im Sinne des staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Engagement einzusetzen. Als Grundlage dieses Engagements soll ein vertieftes Verständnis des kulturellen und politischen Erbes Europas im interkulturellen Dialog sowohl mit den Partnern als auch mit unterschiedlichen Generationen erreicht werden.

Ein damit verknüpftes Ziel ist es, die Schüler/-innen mit sozialen und interkulturellen Kompetenzen auszustatten, um in ihrem persönlichen Umfeld Formen von Diskriminierung und Rassismus zu erkennen und sich z.B. für die soziale Eingliederung von Randgruppen einzusetzen.

Die Ausbildung bzw. Weiterentwicklung von Schlüsselkompetenzen wie Sprachkenntnissen (v.a. Englisch als Projektsprache), kritischem Denken (in der Auseinandersetzung über unterschiedliche Haltungen und Erfahrungen), Kreativität (in der Ausgestaltung der Aktivitäten) und zukunftsorientierte IT-Kompetenzen (Gestaltung einer Website bzw. eTwinning-Aktivitäten) sind weitere zentrale Ziele.

Zudem soll durch die grenzübergreifende Zusammenarbeit Offenheit und Motivation für zukünftige Auslandsaufenthalte (Austausch, Studium, Beruf) geschaffen werden.

 

Projektpartner:

Liceo Classico Parzanese Scuola Superiore Secondaria Del Secondo Ordine, Ariano Irpino (Italien)

Escola Secundária Cacilhas-Tejo, Almada (Portugal)

XLV Liceum Ogólnokształcące im. Romualda Traugutta, Warschau (Polen)

 


Erasmus in Corona-Zeiten: Was macht „Footprints“?

Vom 2.3. bis zum 6.3.20 fand die letzte Mobilität unseres Erasmus-Projektes nach Straßburg statt. Ein paar Tage später wurde das gesamte Elsass zum Risikogebiet erklärt, am 16.3.20 war Schluss mit Schule in Niedersachsen. Unseren Partnerländern erging es nicht anders. Über kurz oder lang fand auch in Italien, Polen und Portugal der Unterricht nur noch aus der Distanz statt. Aber bedeutete das, Erasmus war lahmgelegt? Weit gefehlt!

Zum Glück steht unser Projekt auf zwei Säulen. Die eine bilden die Fahrten, die natürlich nicht durchgeführt werden konnten. Die andere Säule ist das gemeinsame Arbeiten an Aufgaben über das Internet. Obwohl wir unsere Gäste nicht wie geplant im Mai in Wildeshausen empfangen konnten, haben die Schüler/-innen trotzdem an den vorbereitenden Aufgaben für dieses Treffen gearbeitet. Für das Thema „Kultur der Arbeit“ begann ein Teil der Teilnehmer/-innen, ältere Verwandte über ihr Berufsleben zu interviewen. Außerdem wurden heutige Berufe, die für die jeweilige Region typisch sind, auf einer Präsentationsplattform dargestellt. Auch wenn die Zusammenkunft in Wildeshausen auf Mai 2021 verschoben werden musste, ist ein Teil der Arbeit schon gemacht.

Um den Kontakt zu unseren Partnern auch weiterhin zu pflegen, wurden zwei digitale „Corona-Aktivitäten“ ins Leben gerufen, bei denen sich die Schüler/-innen aus allen vier Ländern über die bedrückende Situation austauschen und sich gegenseitig Mut machen konnten.

Die das Projekt betreuenden Kolleginnen waren inzwischen überwiegend mit Kommunikation per E-Mail und Videokonferenz beschäftigt: einerseits mit unseren nationalen Agenturen in den Kultusministerien, um organisatorische und rechtliche Fragen zu klären; andererseits mit den Partnerschulen, um die Mobilitäten und Aufgaben neu zu terminieren.

Wenn die Situation es zulässt, sind ab dem 2. Halbjahr wieder Mobilitäten geplant. Insgesamt wird das Projekt bis Ende Oktober 2021 verlängert werden, um es dann hoffentlich zur Zufriedenheit aller abschließen zu können. Im Sinne unserer Schüler/-innen wünschen wir uns sehr, dass uns die Pandemie nicht noch einen weiteren Strich durch die Rechnung macht!


Kooperation auf allen Ebenen – Erasmus-Mobilität nach Straßburg (Anfang März 2020)

Bei der Rally vor dem Europäischen Parlament [Zum Vergrößern anklicken]

Straßburg, die wunderschöne französische Stadt, die nur durch den Rhein von Deutschland getrennt ist, war das Ziel der zweiten Mobilität des Erasmus+ Projektes „Footprints“ vom 2.-6. März (und, wie sich herausstellte, auch die letzte Fahrt am Gymnasium Wildeshausen in diesem Schuljahr). Gewählt hatten wir diesen Ort vor allem wegen seiner EU-Institutionen und weil es für das steht, was uns wichtig ist in unserem Projekt und was wir zum inhaltlichen Schwerpunktthema dieser Reise erklärt hatten: Kooperation.

Zur Vorbereitung hatten alle Schüler/-innen des Projektes aus Italien, Polen, Portugal und Wildeshausen die Aufgabe, über ein Beispiel von Kooperation auf ganz persönlicher Ebene zu schreiben. Aus den vielfältigen Beiträgen, z. B. aus den Bereichen „Nachbarschaft“, „Sport“, „Kirche“ und „Schule“, erstellten wir ein digitales Buch mit Hilfe der kollaborativen Plattform „bookcreator.com“ (ein ausgedrucktes Exemplar liegt in der Bibliothek). Außerdem führten die Teilnehmer/-innen im Vorfeld in ihren Heimatstädten Interviews über die EU und die Haltung der Bürger zur Europäischen Union durch und analysierten die Ergebnisse; des Weiteren befragten sie ihre regionalen EU-Repräsentanten zu Themen, die sie für wichtig erachteten.

Am ersten gemeinsamen Tag lernten wir Straßburg anhand einer Stadtführung und einer Rally durch das Europaviertel besser kennen. Dabei wurde allen schnell klar, wie wechselhaft (und schmerzhaft) die Geschichte Straßburgs war, aber auch, wie interessant das heutige Leben in der Metropolregion ist: gelebte Zweisprachigkeit (französisch und elsässisch), länderübergreifende Bildungsangebote, EU-Institutionen wie das Europaparlament, der Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte und der Europarat. Das Europaviertel erkundeten die Schüler/-innen ganz im Sinne des Mottos der Reise in transnationalen Teams.

Am Abend stand dann eine „Lesung“ von Beiträgen aus unserem gemeinsamen Buch über persönliche Kooperation auf dem Plan. In Kleingruppen wurden Lieblingstexte ausgewählt, die dann noch einmal im Plenum vorgetragen wurden. Anschließend hatten alle die Gelegenheit, einzelne Beiträge auf unserer Projektwebsite, dem Twinspace, zu kommentieren und wertzuschätzen.

Das Programm für Mittwoch gestaltete sich leider anders als geplant, denn die Besichtigung des Europaparlaments – eigentlich als einer der Höhepunkte der Reise gedacht – musste wegen des sich verbreitenden Corona-Virus (damals noch nicht zur „Pandemie“ erklärt) entfallen: Einen Tag vorher wurden die Tore des Parlaments für Besucher geschlossen. Auch im Vorfeld hatte der Virus schon unseren italienischen Partnern einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn für sie galt bereits ein nationales Verbot von Schulfahrten – eine Entwicklung, die bei uns erst am 16.3. nach einer dynamischen Entwicklung in Kraft trat.

Stattdessen fuhren wir an den Rhein zu einem nicht ganz so spektakulären Bauwerk wie dem Parlament, aber dennoch zu einem Ort der Kooperation und einem Symbol des zusammenwachsenden Europas: zur Brücke „Passarelle des deux rives“ zwischen Straßburg und Kehl, die für eine grenzüberschreitende Landesgartenschau gebaut wurde. Hier, wo sich schon anlässlich des 60-jährigen Bestehens der NATO Obama, Merkel, Zarkozy, Brown und Berlusconi die Hand gaben, standen nun auch wir bereit zum Gruppenfoto.

Nach einem gemeinsamen Bummel durch das pittoreske Viertel „Petite France“ befragten die Schüler/-innen dann Einwohner Straßburgs und Touristen über die Interviewthemen, die sie schon bei ihren Landsleuten in den Heimatstädten angesprochen hatten. Diese sollten anschließend ausgewertet und verglichen werden.

Am dritten und letzten Tag vor der Abreise genossen wir eine tolle Führung durch das Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, ein Haus mit hochkarätigen und interessanten Exponaten. Unerwarteterweise erfuhren wir auch hier viel über Kooperation: sei es, dass Künstler wie Rodin ihre „Werkstatt“ für sich arbeiten ließen, dass Installationskünstler sich häufig Hilfe von technischen Experten holen oder dass Kandinsky zusammen mit anderen Bauhauskünstlern ein Musikzimmer gestaltete.

Am Nachmittag hieß es dann selbst tätig werden. In transnationalen Gruppen – wie sonst?! – erstellten die Schüler/-innen eine „news show“ über ihren Aufenthalt in Straßburg, in der auch die Interviewergebnisse eingearbeitet wurden. Texte wurden geschrieben, Videos gedreht, Aufnahmen gemacht und das Ganze dann geschnitten. Der Abend klang aus mit der Präsentation der Show und einer hitzigen Rätselrunde. Denn nebenbei hatten wir an diesem Nachmittag – natürlich kollaborativ – schnell noch ein digitales „Straßburg“-Quiz erstellt. So überwog an diesem Abend die Heiterkeit, bevor am nächsten Morgen Abschiedstränen flossen und in der Evaluation – gefragt, ob auch ein Reiseziel außerhalb der Partnerstädte eine gute Idee sei – war zu lesen: „Yesss!! Because I met new friends, friends that by the end of the trip became family!“

Zur Frage, an welchen Stellen Kooperation während des Aufenthalts am besten funktioniert habe, schrieb ein/e Schüler/in: „When we were doing the interviews, the news show and the Scavanger Hunt, it was very important to know everyone’s ideas and opinions, which means that we needed cooperation between everyone to get the best results and conclusions.”

Die Projektgruppe „Footprints“ kann stolz auf die tollen Ergebnisse der intensiven Zusammenarbeit sein, die zeigen, dass grundlegende Ziele des Projektes nachhaltig umgesetzt worden sind. Wir freuen uns sehr über das tolle Engagement aller beteiligten Schülerinnen und Schüler und bleiben gespannt auf den weiteren Verlauf des Projekts.

Das für Mai geplante Treffen aller „Footprints“-Partner in Wildeshausen muss natürlich ausfallen, soll aber im Oktober nachgeholt werden. Währenddessen bleiben die Teilnehmer/-innen und Lehrerinnen über die Projekt-Homepage in Verbindung.

 

Weitere Bilder des Besuchs [Zum Vergrößern anklicken]:

v.l. auf der "Passarelle des deux rives", Abschlussabend: Straßburg-Quiz, Stadtführung vor der Kathedrale


Projekttreffen in Almada (Portugal) zum Thema „Erinnerungskultur“ (24-29.11.2019)

Besichtigung Hieronymus-Kloster in Lissabon [Zum Vergrößern anklicken]

„In Germany, we say...“ - Erasmusmobilität nach Almada, Portugal

Beitrag vom 02.12.2019

Am Sonntag, den 24.11. startete das Erlebnis Richtung Süden. Von Bremen aus ging’s los, wobei wir, sechs Schülerinnen und ein Schüler der Jahrgänge 9-11, über Frankfurt nach Lissabon flogen. Begleitet wurden wir auf dieser Fahrt von unseren Lehrerinnen Frau Grützmacher und Frau Krönke. Nach einem herzlichen Kennenlernen zwischen Familien und Austauschpartnern neigte sich der Tag dem Ende. Das Kennenlernen führten wir am kommenden Tag in der Schule fort und besuchten einige Sehenswürdigkeiten unter dem Motto „Tracing the culture of remembrance“ in Almada. Die Abende verbrachten wir oft zusammen in Restaurants oder am Strand. Auch kulturelle Unterschiede kamen in der Freizeit besonders zum Vorschein, welche von uns mit „In Germany, we say...“ verdeutlicht wurden.

Am Dienstag drehte sich alles um Denkmäler und Monumente unserer Heimatstädte, welche in Präsentationen vorgestellt wurden. Außerdem stand ein Besuch von Kunstzentren und anderen Sehenswürdigkeiten rund um Almada auf dem Plan. Zusammen konnten wir den erfolgreichen Tag mit einer Pizza ausklingen lassen.

Die Hauptstadt Portugals bekamen wir Mittwoch zu sehen, welche von einer wunderschönen Altstadt sowie vielen Denkmälern geprägt ist. Genauso befindet sich der westlichste Punkt des europäischen Festlandes in der Nähe von Lissabon, welcher durch seine atemberaubende Landschaft einen großen Wiedererkennungswert hat. Unter dem Motto der Exkursion „Tracing the culture of remembrance“ beschäftigten wir uns am letzten gemeinsamen Tag mit unseren persönlichen Problemen und Ängsten und den Problemen in unserem Heimatort. Dabei spielten Träume und unsere Wünsche für die Zukunft den Gegenpart. Dies versuchten wir in selbst entworfenen Denkmälern für unsere Zeit widerzuspiegeln. Die gemeinsam verbrachten Abende führten zu einer noch stärkeren Bindung der Gruppe und zu echten multikulturellen Freundschaften.

Am Freitag war es dann soweit und wir trafen uns ein letztes Mal vor der Schule, wo wir uns mit der ein oder anderen Träne im Auge verabschieden mussten. Dies sollte jedoch nicht das letzte Aufeinandertreffen sein, da gemeinsame Urlaube schon in Planung sind.

Alles in allem kann man sagen, dass die „Bildungsreise“ zu einem echten Spaß wurde und eine tolle transnationale Gemeinschaft mit Freundschaften fürs Leben entstanden ist. „So, in Germany, we say `gelungener Urlaub´!“

Bilder des Besuchs in Almada [Zum Vergrößern anklicken]:



Vorbereitungstreffen der Lehrkräfte („Teachers‘ Meeting“)

Das Treffen der Lehrerinnen in Brüssel zu Beginn des Projekts vom 28.09. – 01.10.19 diente sowohl der intensiven inhaltlich-methodischen Vorbereitung und terminlichen Abstimmung der teilnehmenden Schulen als auch der Weiterbildung. So unternahmen wir eine Stadtführung durch das europäische Viertel und besuchten das „House of European History“, ein großartiges interaktives Museum, das uns sowohl inhaltlich als auch architektonisch beeindruckte. Im Zentrum des sechsstöckigen Gebäudes rankt sich die 25 m hohe Skulptur „Wortwirbel der Geschichte“ von Boris Micka und dem Studio Todomuta empor. Aus der großen Menge der Zitate, aus denen die Skulptur besteht, haben uns vor allem diese drei für unser Projekt inspiriert:

Those who cannot remember the past are condemned to repeat it. (George Santayana, 1905)

.. if anything can, it is memory that will save humanity. For me, hope without memory is like memory without hope. (Elie Wiesel, 1986)

Social security must be achieved by cooperation between the state and the individual. (Sir William Beveridge, 1942)

Das Treffen, bei dem wir Lehrerinnen uns das erste Mal persönlich kennenlernten, war eine große Motivation für uns, das „Footprints“-Projekt gemeinsam für unsere Schülerinnen und Schüler gewinnbringend zu gestalten.

 

Bilder des Besuchs in Brüssel [Zum Vergrößern anklicken]: