von Elke Hohnholt

Studienfahrt der Seminarfächer „Europa“ und „Psychologie“ nach Brüssel

Die letzte Fahrt unserer Schullaufbahn war angebrochen. Los ging es zu humaner Stunde am Sonntagmorgen um 9 Uhr und wir lernten zunächst unseren sympathischen Busfahrer Helmut kennen. Während der Fahrt bereiteten sich die Schüler:innen auf die Abenteuer in der belgischen Hauptstadt vor und schliefen erst einmal ausgiebig.

Um unseren ersten Eindruck von Brüssel am besten beschreiben zu können, haben wir Kommentare der Schüler:innen gesammelt. Betont wurde vor allem die Vielfalt, die Brüssel bietet: Seien es die verschiedenfarbigen Müllsäcke, welche das Straßenbild prägen oder die farbliche Fülle vom Gold und den Prunkbauten des Grand Place hin zu dem Grau des Viertels Moolenbeek. Insbesondere dieser aufregende Mix führte dazu, dass sich eine Vielzahl von uns direkt in die Stadt verliebten und Frau Krönke und Rasche demonstrativ ein Herz des Zutrauens formten.

Der zweite Tag der Seminarfachfahrt wurde vor allem von der dreistündigen Stadtführung geprägt. Unser Tourguide, eine echte Belgierin, konnte uns neben architektonischen Fakten und Hintergründen über die Stadt Brüssel sogar noch Berufstipps mitgeben: Wenn ihr also noch nicht wisst, was ihr werden wollt, das EU-Parlament braucht immer Übersetzer für slowenisch und maltesisch.

Am Atomium, einem der populärsten Wahrzeichen Belgiens, angekommen, machten sich die zuvor angekündigten 200 Regentage des Landes im Jahr bemerkbar. Es begann in Strömen zu regnen. Glücklicherweise verzog sich das schlechte Wetter aber pünktlich zum zweiten Teil der Stadttour, der zu Fuß stattfand und bei der wir auch historische Fakten lernten wir. Zum Beispiel, dass Brüssel 979 entstand und Belgien 1830 die Unabhängigkeit erlangte. Des Weiteren bedeutet der Name Brüssel so viel wie “Siedlung am Sumpf”. Als gebührendes Finale der Tour wurde “Manneken Pis”, eines der Wahrzeichen Brüssels, gewählt. Das Manneken Pis ist den Belgiern so wichtig, dass der französische König Ludwig XV sich sogar persönlich entschuldigte, als seine Soldaten versuchten die Brunnenfigur zu stehlen. Nach dem misslungenen Kidnapping-Versuch mussten die Soldaten jedes Mal, wenn sie am Manneken Pis vorbeikamen, salutieren und es wurde sogar zum Ritter geschlagen.

Nach dem Stadtrundgang machten wir uns für die Pub-Crawl-Tour fertig. Wer wollte, konnte nämlich am Abend gemeinsam mit den Lehrerinnen das Brüsseler Nachtleben erforschen und in gemütlichen Bars den Rest des Abends gemeinsam genießen.

Am dritten Tag unserer Seminarfahrt ging es zunächst zum „House of European History“. Um überhaupt ins Museum zu gelangen, mussten wir als Erstes eine Sicherheitskontrolle durchlaufen. Danach ging es zuerst in die unterste Etage, in der wechselnde Ausstellungen gezeigt werden. Aktuell wird dort eine Ausstellung zur „Geschichte des Mülls“ in Europa sehr interessant dargestellt. Unter anderem wurde z. B. auch versucht zu definieren, was Müll überhaupt ist:
„Rubbish is something that we really can’t use at all anymore. It is used once and then it's finished, it can be burnt, it can be destroyed.“ (Definition von Benoit Vandevelde)
Die weiteren Etagen zeigen die Geschichte Europas vom Mittelalter bis zur heutigen Zeit. Besonders interessant fanden wir neben politischen Themen auch die Darstellung des gesellschaftlichen Alltagslebens mit vielen interaktiven Möglichkeiten. Auch die Ausstellungen zu den beiden Weltkriegen haben uns sehr beeindruckt, aber auch mitgenommen:
„Das Bild des Krieges war nüchtern, grau und rot seine Farben, das Schlachtfeld eine Wüste des Irrsinns.“ (Ernst Jünger, 1920)
Immer wieder läuft einem ein Schauer über den Rücken; die ganzen Ausstellungsstücke zu sehen, wie z. B. die alten Gasmasken oder Waffen. Flugblätter, Judensterne, Kriegsgefangenpost und viele Bilder von Arbeitern, Frauen und Kindern usw. schicken einen gedanklich zurück in die Vergangenheit. Eine Etage höher rückten wir zeitlich immer näher an das 21. Jahrhundert heran. Der erste Fernseher, das erste Auto, Kinderwagen und Friseurstühle wurden dort ausgestellt. Ein weiteres wichtiges Ereignis, das dargestellt wird, ist auch der Mauerfall in Berlin 1989. In der letzten Etage wurde die Zukunft dargestellt. Mithilfe von Tablets konnte man anhand vieler Collagen rückblickend die Entwicklungen und Fortschritte der verschiedenen Länder aus Europa betrachten.
Es hat wirklich sehr viel Spaß gemacht, die Etagen zu durchlaufen und wie in einer kleinen Zeitreise Europa zu durchleben und zu entdecken. Gemeinsam können wir festhalten, dass uns das Museum positiv überrascht hat und wir es definitiv weiterempfehlen können.

Nach den Pommes bei Maison Antoine, Angela Merkels favorisierter Frittenbude, ging es für uns weiter zum Europäischen Parlament. Meterhohe verspiegelte Glasfassaden und wir mittendrin! Wir wurden einer eingehenden Sicherheitskontrolle unterzogen und durften anschließend in den 5. Stock fahren, wo uns ein freundlicher Herr vom parlamentarischen Dienst empfing und uns engagiert für die anstehende Europawahl begeisterte.

Zuerst gab er uns ein paar interessante Informationen über das Parlament: Das EU-Parlament feierte dieses Jahr seinen 65. Geburtstag und die Vielfalt innerhalb Europas. Es bildet, zusammen mit der Europäischen Kommission und dem Europäischen Rat, den dritten Bestandteil des europäischen Dreiecks.
Unser Lieblingszitat während unserer Tour war: „Europapolitik bedeutet nicht nur, seinen Horizont zu erweitern und Brücken zu bauen, sondern Regeln mit den Bekloppten jenseits der Grenze zu machen“. Anschließend durften wir selbst im Plenarsaal sitzen und einer spannenden Diskussion über Agrarwirtschaft lauschen. Mit unserem abschließenden Bild vor den Flaggen der 27 Mitgliedsstaaten und unserer spontan eingeübten Choreografie wurden wir in den Nachmittag entlassen.

Am Mittwoch unternahmen wir einen Tagesausflug nach Gent, einer charmanten Universitätsstadt nahe Brüssel. Die Stadt ist bekannt für ihre malerischen Kanäle und ihr mittelalterliches Zentrum.

Zunächst machten wir alle gemeinsam eine Bootsrundfahrt, um von den Kanälen Attraktionen wie Burg Gravensteen, ein Kloster und viele historische Gebäude zu betrachten. Dabei grüßten uns viele freundliche Menschen von den Brücken und Ufern aus.

Nach der Bootstour hatten wir Freizeit in Gruppen. Einige von uns genossen lokales Essen, erkundeten die faszinierenden Graffitis der Stadt, testeten belgische Waffeln oder gingen auf Einkaufstour. Gent entpuppte sich als echtes Shopping- Paradies und wir fanden einige Geschäfte unseres Geschmacks. Nach einigen Stunden in Gent traten wir wieder die Rückreise nach Brüssel an, voller Eindrücke und Erinnerungen an einen gelungenen Tagesausflug.

Am vierten und letzten ganzen Tag unserer Reise, dem Donnerstag, hatten wir keine festen Programmpunkte mehr. Alle konnten diesen Tag nach eigenen Vorlieben gestalten und u. a. auch dafür nutzen, die für die Studienfahrt gewählten Projektthemen zu bearbeiten. Einige von uns besuchten das Museum of Illusion, andere das Comic Museum und wieder andere genossen eine süße Zeit im Schokoladenmuseum. Einige verbrachten den Tag mit ausgiebigem Shoppen in der Stadt, während andere sich ein letztes Mal in einem gemütlichen Restaurant verwöhnten ließen. Am Abend kamen wir alle in einer Karaoke-Bar zusammen, um unsere Seminarfachfahrt gebührend ausklingen zu lassen. Es war ein wundervoller Abschluss unserer Reise.

Am letzten Tag unserer Seminarfachfahrt stand die Abreise auf dem Programm. Aufgrund von viel Verkehr, Staus und geplanten Pausen zog sich die Rückreise auf 7 Stunden und 45 Minuten Fahrtzeit hin.

Helmut, unser Busfahrer, war von uns und unserem vorbildlichen Verhalten begeistert. Er äußerte sich lobend: "Ihr wart ein super Team. Was die Sauberkeit betrifft, bekommt ihr eine super Eins. Solche Gruppen möchte ich öfter betreuen."

Mit diesen Worten und vielen unvergesslichen Erinnerungen an unsere Seminarfachfahrt nach Brüssel endete unsere Reise.

Paula Debbeler, Jette Schachtschneider, Finn Drews, Ole Kropp, Anna Kropp, Elin Fink, Miriram Worch, Hilda Hakemann, Mariella Hake, Emma Beckmann, Lina Straßburg, Lilli Abel und Johanna König