von Elke Hohnholt
Politik-LK zu Besuch bei der NWZ
Haben Printmedien noch eine Zukunft? Das war eine der zentralen Fragestellungen, die wir mit dem langjährigen Redakteur der NWZ und Leiter der Regionalredaktion Süd, Carsten Bickschlag, bei unserem Besuch der Redaktion in Wildeshausen diskutierten. In den Augen Bickschlags gibt es eine klare Antwort: Nein, Printmedien sind am Aussterben und der Umstieg auf digitale Zeitungen ist notwendig. So arbeite auch die NWZ an der zunehmenden Digitalisierung des Angebots. Bereits seit 2010 ist sie digital erhältlich, genauso wie alle Artikel, die seit den 50er Jahren veröffentlicht wurden.
Bei der Frage, ob wir selber noch eine analoge Zeitung zu Hause hätten, meldeten sich aus unserem Kurs erstaunlich viele, was laut Bickschlag und Frau Arzberger, unserer Politiklehrkraft, untypisch sei. Die Auflage von Printmedien gehe stark zurück und auch für die Redaktion selbst seien E-Zeitungen deutlich praktischer: geringere Kosten, keine Zustellung direkt nach Hause, jederzeit digital erhältlich. Zudem gebe es online auch mehr Möglichkeiten für die Redaktionen: Podcasts, Videos, Bilderstrecken, und auch beim Umfang der Artikel habe man mehr Freiheiten. Die klassische analoge Zeitung genieße laut Bickschlag aber gleichzeitig ein große Wertschätzung der Lesenden.
Obwohl insbesondere Regionalzeitungen laut „Medienvertrauen“-Studie von einem Großteil der Bevölkerung als vertrauenswürdig eingestuft werden, setzen wir uns in unserem Austausch auch kritisch mit der Machtposition von Zeitungen auseinander. Ein besonderer Kritikpunkt war, dass Medien häufig über dieselben Ereignisse berichteten und damit eine Art Mainstream schaffen würden, in dem andere relevante Themen aus dem Blick gerieten. Damit müsse verantwortungsvoll umgegangen werden. Zudem diskutierten wir weitere mögliche Gefahren für die journalistische Arbeit, beispielsweise Fake News und KI-generierte Inhalte. Diese müssten tagtäglich überprüft werden, um keine falschen Informationen zu verbreiten.
So sprachen wir also letztlich viel über Zukunft der Medien und konnten feststellen, dass dieser Strukturwandel nicht spurlos an der Branche vorüberzieht, sondern für tiefgreifende Veränderung sorgt, die auch die NZW vor große Herausforderungen stellt.
Es ging jedoch nicht ausschließlich um die Zukunft der Zeitung, sondern auch um den Beruf des Redakteurs. Aktuell genieße er keine große Beliebtheit. Bickschlag führt dies darauf zurück, dass unklar ist, wie sich dieses Berufsfeld in Zukunft entwickeln wird. Er selbst geht seiner Arbeit als Redakteur aber weiterhin mit Begeisterung nach und machte Werbung, sich für dieses Laufbahn zu entscheiden, da es sich laut Bickschlag um einen vielseitigen Beruf handele: In seiner Arbeit lernt er unterschiedlichste Menschen kennen, kann dabei immer wieder hinter die Kulissen gucken und ist in seiner redaktionellen Arbeit recht unabhängig in dem, was er schreiben möchte. Natürlich ist er an juristische Grenzen gebunden, hat darüber hinaus aber jede Menge Freiheiten. Zudem könne er durch die Digitalisierung von unterschiedlichsten Orten aus arbeiten und sei somit nicht fest an sein Büro gebunden.
Vielen Dank an Herrn Carsten Bickschlag für die interessanten, ehrlichen sowie authentischen Einblicke in seinen Beruf und die Zeitungsbranche und alles Gute für die Zukunft!