von Elke Hohnholt
Fahrt nach Esterwegen
Bei Schnee und Kälte haben sich Anfang Dezember die zehnten Klassen des Gymnasiums Wildeshausen auf den Weg zur Gedenkstätte KZ Esterwegen ins Emsland gemacht, um nach der Unterrichtseinheit zum Zweiten Weltkrieg und dem Film „Schindlers Liste“ die Eindrücke noch einmal präsenter vorgeführt zu bekommen. Die Gedenkstätte in Esterwegen gilt als stellvertretend für alle 15 Konzentrationslager zur damaligen Zeit im ganzen Emsland. Untergebracht waren in Esterwegen zwischen den Jahren 1933 und 1945 bis zu 2000 politisch Verfolgte, Kriegsgefangene, aber auch „normale" Straffällige.
Es erwartete uns zunächst ein Rundgang über das Lagergelände. Dort wurden wir über den Aufbau des damaligen Konzentrationslagers aufgeklärt und uns wurde mehr über die einzelnen Hintergründe der Bauweise des KZ erzählt. Zum Beispiel war das KZ in Esterwegen das einzige Konzentrationslager in Deutschland, dass statt einem Stacheldrahtzaun als Begrenzung eine weiße Steinmauer besaß. Heute erkennt man von dem damaligen Aufbau kaum noch etwas. Stattdessen wurden mit Stahlelementen und „Baumpaketen“ die Mauer rund um das KZ, das Tor zwischen dem Häftlings- und Wachmannsbereich, das Haupttor und die einzelnen 20 Baracken nachgestellt.
Nach der Führung über das Gelände folgte eine kleine Pause, in der wir uns von den kalten Temperaturen draußen erholen konnten. Schließlich durften wir uns auf den Weg zum Seminarraum machen, wo wir eine Präsentation über die Geschichte des KZ vorgestellt bekamen. Wir erfuhren wesentliche Informationen, wie zum Beispiel, dass in allen 15 Emslandlagern insgesamt etwa 80.000 KZ- Häftlinge und Strafgefangene litten. Mehr als 20.000 Menschen verhungerten, starben an Erschöpfung und Krankheiten als Folge körperlicher Misshandlungen oder wurden während eines Fluchtversuches erschossen. Des Weiteren haben wir einen Einblick auf die Verteilung der „zwei Seiten“ bekommen. Auf der einen Seite lebten die Wachmannschaften im netten Beisammensein. Sie konnten Gärten, einen Sportplatz und ein Schwimmbad nutzen. Auf der anderen Seite „lebten“ stattdessen die Gefangenen. Sie besaßen wenig zu essen und schlechte hygienische Bedingungen. Auch brutale Übergriffe des Wachpersonals machten ihnen das Leben zur Hölle. Hinzu kamen unmenschliche und kräftezehrende Arbeitseinsätze im umliegenden Moor. Bis zu zwölf Stunden am Tag mussten sie dort Torf stechen oder Böden kultivieren. Überlebt haben dies damals nicht viele. Außerdem erfuhren wir, dass im Konzentrationslager Börgermoor das Lied von den Moorsoldaten entstanden ist. Das Lied wurde 1933 bei einer Veranstaltung von Häftlingen gesungen, fand viele Wege aus dem Lager und wurde weltweit berühmt. Abschließend zu unserem Besuch durften wir dann schließlich noch in die Ausstellung der Gedenkstätte, in der wir uns über bestimmte Biografien der damals Gefangenen des KZ in Esterwegen informieren durften. Vor allem fiel dort oft der Name Carl von Ossietzky, welcher einer der frühsten Häftlinge des KZ in Esterwegen war und der heutige Namensgeber der Universität in Oldenburg ist. Es war erschreckend zu erfahren, wie die einzelnen Personen damals mit den Bedingungen in den Konzentrationslagern zu kämpfen hatten. Ein kleiner Abstecher folgte dann doch noch, bevor wir uns auf den Heimweg machten. In der Sonderausstellung begutachteten wir ein emsländisches Konzentrationslager zur damaligen Zeit, welches von einem selber damals Inhaftierten modellhaft nachgestellt wurde. Hier war vor allem interessant zu sehen, wie man sich ein solches KZ zur damaligen Zeit wirklich vorzustellen hat.
Nach knapp vier Stunden traten wir nun unseren Rückweg Richtung Wildeshausen mit vielen neuen und interessanten Eindrücken an, die man sicherlich nicht schnell vergisst.
Emma Konnemann