von Elke Hohnholt
Erasmus+–Job Shadowing in Monza
Molto Bene – Fantastico – Belissima. Wenn Italiener loben, dann richtig. Diesen ersten Eindruck an unserer Partnerschule Mose Bianchi in Monza, Italien, konnte ich schnell gewinnen. Danach beeindruckten mich die Rituale der Begrüßung und Verabschiedung als Zeichen gegenseitiger Wertschätzung nachdrücklich. Aber wie komme ich nach Monza? Der Reihe nach.
Schon seit vielen Jahren nimmt das Gymnasium Wildeshausen am Erasmus Programm der EU teil und sorgt damit mit dafür, dass eine europäische Identität mit Leben gefüllt wird. So werden nicht nur Schulpartnerschaftsprojekte wie „B.R.I.D.G.E. the Gap“ durchgeführt, sondern auch Langzeitaustauschprogramme begleitet. Unsere Schülerin Ella zeigte hier Interesse. So nahm sie im Frühjahr 2023 Meryeme aus Monza für 3 Monate auf und nun kam es im Herbst zum Gegenbesuch. Ella wird de Zeit von Oktober bis Dezember in Monza verbringen. Um sie in den ersten Tagen zu begleiten, hauptsächlich aber, um mich an unserer Partnerschule Mose Bianchi durch Hospitationen und Gespräche über Lehrmethoden und die europäischen Programme auszutauschen, nahm ich am Job shadowing-Programm im Rahmen unseres Erasmusplans unserer Schule teil.
Die Besuche in den Stunden der italienischen Kolleg_innen waren dabei für mich sehr aufschlussreich, teilten sie doch sehr gerne mit mir ihre Erfahrungen und diskutierten sehr offen, kritisch und konstruktiv ihre Herausforderungen im täglichen Schulleben. Das Verhältnis zwischen Lehrerschaft, den Eltern und den Schüler_innen wurde dabei ebenso thematisiert, wie die mediale Ausstattung von Schulen und dem Umgang mit digitalen Endgeräten im Unterricht. Genauso war es für mich sehr aufschlussreich, in Kontakt mit einem anderen Verständnis von schulischer Ausbildung zu kommen. Die Zielsetzungen unterscheiden sich gerade im Bereich der Fremdsprachen doch stark und somit auch der Unterricht. Liest man über solche Aspekte etwas in der Fachliteratur ist das zwar spannend, den Kontakt mit Betroffenen eines Bildungssystems kann dies aber nicht ersetzen.
Selbst konnte ich mit den italienischen Schüler_innen im Abschlussjahrgang in einer eigenen Stunde über ein soziales Pflichtjahr in den Austausch treten. Hier wurde offenbart, wie wichtig Zeit für die Berufsorientierung innerhalb der Schulzeit ist, da die jungen Menschen deutlich machten, sich vor lauter Lernen für ihren Abschluss sich bis jetzt kaum mit der Zeit nach der Schule auseinandergesetzt zu haben. Auch in einer Politik-/Geschichtsstunde in diesem Jahrgang, die die Umbrüche in Europa im 20. Jahrhundert thematisierte, konnte ich eine deutsche Perspektive zur Wiedervereinigung beitragen.
Durch meinen Aufenthalt konnte ich Ella auf der ersten Etappe ihres Austausches begleiten, die Kolleg_innen am Mose Bianchi und deren europabezogenen Aktivitäten kennenlernen und Monza sowohl als Stadt voller Gegenwart und Geschichte erfahren als auch mich über die ökonomische und politische Situation von Land und Region informieren. Besuche in der Mailänder Multimediashow Genesis, am Autodromo di Monza, dem Duomo di Monza, der nicht weit entfernten Stadt Bergamo mit seiner faszinierenden Ober- und Unterstadt und nicht zuletzt dem Spiel zwischen dem AC Monza und dem FC Bologna in der Serie A zeigten eine Stadt und Region voller Leben.
So war die verbrachte Woche nicht nur aus touristischer bzw. dienstlicher Sicht eine sehr gelungene, sondern im wahrsten Sinne eine europäische. Gemeinsam mit den Lehrkräften durfte ich Perspektiven verschiedener Denk- und Sichtweisen diskutieren, um dem gemeinsamen Ziel, einem gemeinsamen europäischen Denken und Handeln näherzukommen.
Ella hat durch dieses Programm die Möglichkeit, diesen Zielen noch viel intensiver zu begegnen, da sie zusätzlich die Dimension des Alltagslebens erfährt. Ich wünsche ihr dafür auf diesem Wege alles Beste.