„Active citizenship“ statt Politikverdrossenheit!

Das Projektthema „Nachhaltigkeit“ des Erasmus+ Partnerschaftprojektes „Act – React – Make an Impact“ wird während der 18-monatigen Dauer immer wieder anders beleuchtet. Während der dritten Mobilität – diesmal in Dublin - stand das Thema „Aktive Staatsbürgerschaft“ im Vordergrund: Was braucht es, um mündige, aktive und verantwortungsvolle Bürger/-innen für resiliente Gesellschaften hervorzubringen? Die Antwort: Informationen, um wahrzunehmen, welche Probleme und Möglichkeiten zur Bewältigung derselben es gibt, Mut, für seine Überzeugungen einzustehen, und Gelegenheiten, um sich einzubringen.

Im Vorfeld hatten die teilnehmenden Schüler/-innen online Ideen für einen „policy pitch“, also einen Antrag für ein politisches Ziel gesammelt. In transnationalen Gruppen vor Ort wurde dann am Montag dieser pitch vorbereitet: Die Schüler/-innen einigten sich in ihren Gruppen auf ein für sie relevantes Problem und erläuterten die Gründe, warum es ihnen ein besonderes Anliegen ist. In einem zweiten Schritt benannten sie Lösungsansätze. Eine besondere Herausforderung war es zuletzt, diesen pitch vor Barry Andrews, einem irischen Abgeordneten des Europäischen Parlaments (Partei: Fianna Fáil), und Mark McDonald, dem Direktor des Schulverbundes Dublin, zu präsentieren und anschließend mit ihnen darüber ins Gespräch zu kommen. Die Probleme, die den Schüler/-innen unter den Nägeln brannten, waren folgende:

 

  • freie Hygieneartikel für Mädchen an Schulen, Steuerfreiheit auf diese und finanzielle Unterstützung armer Mädchen und Frauen,

  • ein stärkeres Bewusstsein für und Eingehen auf „unsichtbare Behinderungen“ (z.B. ADHS, Autismus, chronische Schmerzen oder Fatigue, Depression etc.),

  • Schutz der eigenen Daten, insbesondere der von Kindern und Jugendlichen,

  • Verbot von Mobiltelefonen an Schulen,

  • Verbot von sozialen Medien bis zum Alter von 16 Jahren,

  • Vereinheitlichung der Bildung innerhalb der EU,

  • bessere Zugänglichkeit des öffentlichen Nahverkehrs für Schüler/-innen und Studierende.

 

Beide Gäste zeigten sich stark beeindruckt von den Vorträgen der Erasmus-Schüler/-innen. Insbesondere lobten sie die Offenheit, mit der die Jugendlichen diese Themen ansprachen. Im Gegensatz zu ihrer Jugend habe hier eindeutig ein Wandel stattgefunden. Das stimme sie hoffnungsfroh. Mr. Andrews ging auf jedes der Themen ein und erläuterte, inwieweit sie schon im EU-Parlament in der Diskussion seien, erklärte aber auch, welche Aspekte nur auf nationaler Ebene gelöst werden könnten. Erstaunt zeigten sich beide hinsichtlich der klaren Forderung nach einem „social media ban“ und dem Verbot von Smartphones an Schulen. In diesem Zusammenhang betonte Andrews die Wichtigkeit von Begegnungen im „echten Leben“: „Hence, Erasmus! That’s why you’re all here!“

Ein weiterer Höhepunkt der Mobilität war das Kennenlernen der typisch irischen Sportarten Hurling, Gaelic Football und Gaelic Handball. Selbst Ausprobieren war am Dienstagvormittag angesagt! Und am Nachmittag erhielten wir dann eine Führung durch das Croke Park Stadium (das viertgrößte Sportstadion Europas) und lernten, welche Bedeutung der gälische Sport für die irische Gesellschaft hat und wie sehr er mit der leidvollen Geschichte des Landes verknüpft ist. Sowieso begegneten wir immer wieder dem Stolz der Iren auf ihre Identität: Ein Teil der teilnehmenden Schüler/-innen ging auf eine irischsprachige Schule, alle Schilder sind zweisprachig, auch in einigen Gastfamilien wurde Gälisch gesprochen.

Aber natürlich ging es auch nach den offiziellen Programmpunkten weiter: Ausflüge nach Howth, Trips in die Innenstadt und einiges mehr. Um mit Barry Andrews zu sprechen: „Real-life connections“ wurden geknüpft und werden hoffentlich die kurze Woche in Dublin überdauern!

Wir sagen „Go raibh maith agaibh!“ an die Gastfamilien, die irischen Lehrkräfte und der Koordinatorin Priscilla Kirwan, die ein so tolles Programm auf die Beine gestellt hat!